10. August 2026
Nachfolgereife: Ist das Unternehmen wirklich bereit?

Nachfolge braucht Vorbereitung

Die Auftragsbücher sind voll, die Kundschaft ist treu, die Zahlen stimmen. Und trotzdem kann ein Unternehmen für eine Nachfolge schlecht gerüstet sein. Bei einer Übergabe zählt weit mehr als Bilanz und Verträge. Entscheidend ist, ob das Unternehmen auch ohne die heutige Inhaberin oder den heutigen Inhaber erfolgreich weitergeführt werden kann.

Gerade für Schweizer KMU gewinnt diese Frage an Bedeutung. Gemäss einer aktuellen Studienreihe der Universität St.Gallen und UBS dürften bis 2030 über 100’000 Schweizer Familienunternehmen einen Generationenwechsel anstreben. Gleichzeitig zeigt sich: Nachfolge braucht Zeit. Die Studienreihe empfiehlt, die Planung fünf bis zehn Jahre vor der vorgesehenen Übergabe anzugehen.

Nachfolgereife beginnt vor der Übergabe

Wer sich früh mit der Nachfolge beschäftigt, sollte deshalb nicht nur fragen: Wer übernimmt das Unternehmen? Mindestens genauso wichtig ist die Frage: Was übernimmt diese Person eigentlich?

In vielen inhabergeführten KMU laufen zentrale Entscheidungen, Kundenbeziehungen und Wissen bei wenigen Personen zusammen. Für eine Nachfolge kann diese Abhängigkeit zum Risiko werden. Fällt eine zentrale Person weg, fehlen plötzlich Entscheidungswege, Kontakte oder wichtiges Erfahrungswissen.

Ein nachfolgereifes Unternehmen verfügt deshalb über Strukturen, die unabhängig von einzelnen Personen funktionieren. Dazu gehören dokumentierte Prozesse, klar definierte Aufgaben und Verantwortlichkeiten sowie ein Führungsteam, das Verantwortung übernehmen kann. Auch Kundenbeziehungen sollten nicht ausschliesslich an die Inhaberschaft gebunden sein. Und relevantes Wissen muss dokumentiert und weitergegeben werden.

Strukturen schaffen Handlungsspielraum

Auch die PwC-Nachfolgestudie 2025 zeigt die Bedeutung einer strukturierten Vorbereitung. Rund jede zweite untersuchte Nachfolge in Schweizer Familienunternehmen startete ohne klare Struktur oder übergeordneten Plan. Ein Viertel der Befragten hätte sich einen früheren Start gewünscht. Als Erfolgsfaktoren werden eine sorgfältige Vorbereitung, klare Rollen und offene Kommunikation genannt.

Nachfolgereife bedeutet nicht, dass bereits jedes Detail geregelt sein muss. Vielmehr geht es darum, Voraussetzungen zu schaffen, damit verschiedene Nachfolgeszenarien möglich bleiben. Je professioneller die Organisation aufgestellt ist, desto grösser ist der Handlungsspielraum, sei es für eine familieninterne Lösung, ein Management-Buy-out oder einen Verkauf an Dritte.

Davon profitiert das Unternehmen schon heute

Viele Massnahmen, die ein Unternehmen nachfolgereif machen, verbessern bereits heute den Betriebsalltag. Klare Zuständigkeiten reduzieren Abhängigkeiten, dokumentierte Prozesse erleichtern die Einarbeitung und ein starkes Führungsteam entlastet die Inhaberschaft. Gleichzeitig wird das Unternehmen für potenzielle Nachfolgerinnen und Nachfolger attraktiver.

Nachfolge ist ein Prozess, kein Ereignis

Die beiden Studien machen deutlich: Eine gute Nachfolge entsteht nicht kurz vor der Übergabe. Sie entwickelt sich über Jahre. Neben finanziellen und rechtlichen Fragen braucht es organisatorische Klarheit, eine schrittweise Übergabe von Verantwortung und offene Gespräche über Rollen und Erwartungen.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht erst im letzten Moment: Wer soll das Unternehmen übernehmen? Sondern bereits Jahre zuvor: Ist unser Unternehmen so aufgestellt, dass es auch ohne uns funktioniert?

Wer diese Frage frühzeitig stellt, erhöht nicht nur die Chancen auf eine gelungene Nachfolge. Oft entsteht dadurch bereits heute ein effizienteres, widerstandsfähigeres und langfristig wertvolleres Unternehmen. Der erste Schritt liegt darin, die eigene Nachfolgereife ehrlich zu bewerten und zentrale Abhängigkeiten sichtbar zu machen.

Quellen:

Universität St.Gallen und UBS: Generationenwechsel in Schweizer Familienunternehmen
PwC: Nachfolgestudie 2025

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